KUBA

Impressionen

Nachdem ich meine Reise kurz beschrieben und einige nützliche Tips weitergegeben habe, möchte ich auf dieser Seite ein wenig mehr auf meine persönlichen Eindrücke von Kuba eingehen. Daß dieser Teil meines Kuba - Berichts erst mehrere Wochen später als der Rest erscheint, hat seine Gründe: Dies ist der für mich am schwierigsten niederzuschreibende Teil. Der Grund dafür dürfte in den nächsten Zeilen recht schnell klar werden.

Vorher möchte ich jedoch nicht versäumen, etwas klarzustellen: Ich verfolge mit meinem Bericht keine politischen Ziele. Ich möchte nur das Beschreiben, was ich selber gesehen und erlebt habe. Als Außenstehender möchte ich mir auf keinen Fall anmaßen, die Lösung für die Probleme auf Kuba zu kennen. Doch nun zu meinen ganz persönlichen Eindrücken:

Die zwei Seiten Kubas

Als ich nach drei Wochen Aufenthalt in Kuba die Rückreise antrat war dies ein Abschied mit sehr gemischten Gefühlen. Noch nie habe ich so viel Positives und so viel Negatives so konzentriert erfahren wie hier.

Die Positiven Aspekte sind relativ einfach zu erklären: Die Landschaft ist ebenso wie die Musik dieser Insel wunderschön, ebenso bekommt man viele wirklich schöne Menschen zu sehen. Was mich an diesen Menschen aber viel mehr fasziniert hat war ihre unbändige Lebensfreude, Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit. Mancher Kubareisende wird diese Aufgeschlossenheit vermutlich mit einem "Die wollen doch nur meine Dollars!" abtun, aber das kann ich so nicht bestätigen. Sicherlich gibt es viele Kubaner, die sich hauptsächlich um das Geld der Touristen bemühen (was man ihnen bei ihrer schwierigen Lage kaum verübeln kann), aber diejenigen, die nicht nur finanzielle Hintergedanken haben sind meiner Erfahrung nach gar nicht mal so selten. Selten habe ich so schnell neue Freunde gewonnen, wie auf Kuba. Für mich ist dies gerade aufgrund der ständigen Diskriminierung der Kubaner gegenüber Ausländern ein kleines Wunder.

Wobei wie bei den negativen Seiten von Kuba angelangt wären, die weitaus schwieriger darzustellen sind. Als Tourist mit Dollars in der Tasche braucht man sich in Kuba keine großen Sorgen um sein Wohlergehen zu machen: Wer Komfort sucht geht in ein gutes Hotel, wer Komfort und Luxus lieber gegen das Eintauchen in ein fremde Welt tauscht kann sich in einer "Casa Particular" einmieten. Auch wenn man dort oft in sehr einfachen Verhältnissen lebt braucht man sicher keinen Hunger zu leiden. Denn auf Kuba kann man mit Dollars fast alles kaufen, was man so braucht (und mehr...) - wenn man Tourist ist!

Für Kubaner sieht das anders aus: Selbst wenn sie zu den wenigen Glücklichen gehören, die genügend Dollars besitzen, bleibt für sie so manche Türe verschlossen. Die gilt z.B. für sämtliche Touristenhotels (hier können Kubaner keiner Zimmer mieten, egal ob mit oder ohne Begleitung von Touristen), für viele Diskos und andere Nachtlokale (hier dürfen Kubaner oft nur in Begleitung von Ausländern hinein), für die komplette Halbinsel Varadero samt ihrer Traumstrände (es sei denn, die arbeiten oder wohnen dort) bis hin zu medizinischen Einrichtungen für Touristen (die im Gegensatz zu den Einrichtungen für Kubaner über gute Ausstattung, Medikamente und Materialien verfügen).

Wer auf Kuba zusammen mit Kubanern etwas unternimmt wird diese Einschränkungen immer wieder miterleben: Immer wieder müssen die Kubanischen Begleiter ihre Ausweise ("Carnets") vorzeigen, der Tourist jedoch nicht. Guten Freunden einmal ein Wochenende in einem schönen Hotel zu gönnen ist nicht erlaubt. In manchen Gegenden müssen Kubaner schon mit Konsequenzen rechnen, wenn sie nur zusammen mit Touristen gesehen werden.

Das Vorzeigen eines Ausweises mag vielen nicht so schlimm erscheinen, wenn aber ständig solche ungerechtfertigten Unterschiede gemacht werden, ist dies eine regelrechte Erniedrigung. Und für mich als Tourist war es auch nicht gerade angenehm - warum werde ich ständig bevorzugt? Ich habe mich in solchen Situationen von mal zu mal unwohler gefühlt.

Unerträglich wird diese Diskriminierung, wenn sie bis ins Gesundheitssystem vordringt. Eine Kubanerin erzählte mir folgendes Erlebnis: Sie brauchte einen Zahnersatz, und da es auf Kuba zwar viele gute Zahnärzte, aber wenig gutes Material gibt, hat sie ihre hart verdienten Dollars zusammengespart und ist zu einer internationalen Klinik gegangen, die gegen Bezahlung in Dollars auch gutes Material bieten kann. Dort spielte sich folgender (sinngemäß wiedergegebener) Dialog ab:

"Guten Tag, ich möchte gerne bei Ihnen meine Zähne richten lassen. Ich habe auch die nötigen Dollars, um das zu bezahlen" - "Sind Sie Ausländerin?" - "Nein" - "Sind Sie mit einem Ausländer verheiratet?" - "Nein" - "Es tut mit leid, aber dann können wir Sie hier nicht behandeln.".

Zu so etwas fehlen mir einfach nur noch die Worte.

Und was geht das mich an?

Als Tourist in ein solches Land zu fahren ist ein Zweischneidiges Schwert: Einerseits entstehen viele dieser Probleme und Diskriminierungen erst oder verstärkt durch den Tourismus. Andererseits würde es dem Land - und somit auch dem Volk - ohne Tourismus in wirtschaftlicher Hinsicht noch deutlich schlechter gehen. Zudem kann der intensive Kontakt mit Menschen aus aller Welt sicher zu einer besseren Verständigung beitragen.

Meiner Meinung sollte man sich in einem solchen Land auf jeden fall genau überlegen, wo und wie man sein Geld ausgibt. Soll es direkt in die Staatskassen bzw. Kassen auswärtiger Investoren fließen? (Hotels, Restaurants etc.) Oder zumindest zum Teil in Portemonnaies der Bevölkerung? Dabei darf man allerdings nicht vergessen, daß z.B. auch bei Privatunterkünften der Staat kräftig mitverdient.

Natürlich kann man auch nach Kuba fahren und ein paar sonnige Wochen am Traumstrand von Varadero verbringen, ohne von all' dem etwas mitzubekommen. Daß man so allerdings etwas von Kuba kennen lernt, darf man nicht erwarten. Denn sie gehören nunmal beide zu Kuba - die guten und die schlechten Seiten.

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Copyright Klaus Reiter (klaus@salsaholic.de). Letzte Änderung: 10.1.2000.