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Thema: Deutscher Pop/Rock mit kubanischen Rhythmen - wer braucht das? (http://www.salsaholic.de/forum/topic.php?id=199)


Geschrieben von: Klaus am: 03.05.09, 22:08:05
Hallo allerseits,
ich eröffne mal diese Diskussion zu Max Sievers CD Besprechung "Cubano Alemán"...

Mein erster Kontakt mit dem Projekt "Rhythms Del Mundo" fand im Halbschlaf statt, wobei der dann schnell vorbei war: Der Radiowecker plärrt normalerweise Einslive zum Wachwerden - einen Radiosender der "meine" Musik" (=Salsa) zusammen mit ein paar Nachrichten und lokalem Wetter bringt, gibt es in Deutschland leider nicht. Umso größer die Überraschung, als dann eines Morgens Salsa-Rhythmen in meine verschlafenen Ohren drangen. Ein Wunder! Der Song kam mir bekannt vor, aber nicht in dieser Version... es war "Clocks" von Coldplay, in der "Rhythms Del Mundo" Fassung. Eine recht gelungene Adaption.

Wenn die neueste Ausgabe dieses Projekts, "Cubano Alemán" zu ähnlichen Momenten führen würde, wäre das Ganze ja schon mal etwas wert...

Mir geht es ähnlich wie Max: Ich bin hin- und hergerissen. Es ist toll, dass eine derart hochrangige Liste von deutschen Bands sich mit dem Thema kubanische Musik befasst. Und vielleicht hilft es ja bei der Verbreitung unserer Lieblingsmusik? Andererseits sind solche Aufgüsse in neuem Gewand oft einfach nur fad und letztendlich fantasielos, womöglich einfach nur Geldmache?

Bei "Cubano Alemán" befürchte ich leider, dass nur wenige Hörer Lust auf mehr Kuba oder Salsa bekommen werden. Die meisten Songs wirken eher lieblos mit kubanischen Rhythmen (meist Cha Cha Cha) unterlegt, dazu ein etwas penetrant klimperndes Piano... das kommt nicht wirklich ein Gefühl bei rüber. Manche Songs sind durchaus schön gelungen... "Symphonie" von Silbermond, ist auch in dieser Fassung wunderschön. Das liegt sicher vor allem an der tollen Vorlage, aber auch die Umsetzung "ins Kubanische" ist besonders behutsam erfolgt. Auch "Klar" von Jan Delay gefällt mir sehr gut - da möchte man gleich mittanzen. Udo Lindenberg fand ich ehrlich gesagt noch ganz ok. Enttäuscht hat mich dagegen Culture Candela -von den Jungs hatte ich einfach mehr erwartet, machen die doch selber manchmal Lieder mit sehr viel Latin Feeling drin. Ganz schlimm finde ich "Ein Tag am Meer" von den Fanta Vier - im original ein toller Song, bei dessen Zwangs-Kreuzung mit Salsa aber die ganz spezielle Stimmung völlig kaputt geht, aber auch keinerlei Salsa-Swing aufkommt. Bei Rosenstolz, Ich+Ich und Tocotronic läuft das nicht viel besser, wobei ich bei den Originalsongs auch nicht viel mehr erwartet hätte - das passt einfach nicht zusammen.
Sehr skurril, aber durchaus reizvoll finde ich dann "Song for Burma" von Apes - da habe ich schon sehr viel weniger gelungene Versuche gehört, Asiatische und Kubanische Musik zusammen zu bringen.
Etwas verloren zwischen all den Deutschen Stars wirken dann "Los Mojitos y Aragón", zeigen aber, wie Gesang und Rhythmus besser zusammen passen können, als auf dem Rest der CD.

Insgesamt glaube ich, dass diese CD keine sehr gute Werbung für kubanische Musik ist. Aber vielleicht wirkt "Cubano Alemán" ja nicht auf alle so wie auf mich, und lockt tatsächlich ein paar Hörer vom Einheitsbrei im Radio zu Lateinamerikanischen Klängen...

Neben dem Umstand, dass ein Euro pro CD einem guten Zweck zukommen soll, tröstet mich vor allem der Gedanke, dass vielleicht bei dem einen oder anderen der beteiligten Musiker ein wenig "sabor Cubano" hängen geblieben sein könnte - es wäre doch toll, demnächst auch ein einem deutschen Pop Song mal eine Clave zu hören, oder?

So, jetzt bin ich gespannt, was Ihr zu diesem Projekt sagt. Unter http://www.myspace.com/rhythmsdelmundocubanoaleman kann man immerhin in vier der Songs reinhören, ohne gleich die CD kaufen zu müssen.

Gruß,
Klaus


Geschrieben von: comandante am: 07.05.09, 10:48:33
Hallo Klaus,
auch ich finde, dass "Los Mojitos y Aragón" die einzige Nummer ist, die wirklich etwas mit Salsa zu tun hat. Ist ja auch nicht verwunderlich. Beim Rest erscheint die Rhythmik sehr schwammig, was allerdings auch nicht verwunderlich ist, da die Musik im Ursprung eine ganz andere Rhythmik hat und die Musiker nur reparieren können, um es mit viel Krampf in die Latino-Ecke zu drücken. Das Piano wurde ganz nach vorn geschoben, um dem Ganzen einen Anstrich von Gloria Estefan zu geben, die Trommelabteilung döst im Hintergrund (interessiert ja ohnehin Niemanden) und der Bläsersatz ist ein besseres Kammerorchester, schade eigentlich. (Soweit aus Muckersicht)
Vielleicht wäre es eine gute Idee für die Macher, sich nur der bekannten Namen zu bedienen und Original-Salsa mit neuer Stimme zu produzieren. Dann wäre zumindest die Musik authentisch. Es scheint ein Witz aber (im Ernst) Roberto Blanco, wenn auch nicht mehr ganz taufrisch, würde gewaltig abräumen.
Etwas mehr Mühe bei der Vorbereitung der CD hätte sicherlich gut getan und dem Tipp, sich das eine oder andere Stück vorher im Internet anzuhören, kann ich nur zustimmen. Die CD ist ein Kann aber kein Muss.

Ich hatte noch versäumt die Wertung abzugeben:
Hörgenuss 2Congas (Udo (und auch andere) 0Congas, ich bleibe dabei)
Tanzbarkeit 1Conga (aber nur Solo-Freestyle-Raindance)
Originalität 2Congas (wegen originell, nicht wegen original)
Variation 0Congas (da nichts vom Original variiert wird)

Somit schließt sich der Kreis doch noch und ich bin wieder bei meinem ersten Gedanken: Verriss!
Silbermond am Malecón hin oder her. Im Cabrio die Uferpromenade von La Habana entlang zu fahren, macht noch keinen Salsero!

Liebe Grüße und immer schön in Clave bleiben,
Max


Geschrieben von: birgit marita am: 18.05.09, 11:11:14
Hallo Ihr zwei,

mich erinnert diese Musik (und ich habe nur die Ausschnitte aus Amazon gehört) an "easy listening". Musik, die man z.B. im Beachclub hört. Und ein Beachclub ist eben auch kein Strand cool

Ich habe jedoch von vielen unserer "Anfänger" gehört, dass ihnen diese Musik gefällt und sie uns fragen, ob wir die nicht mal spielen könnten. Sie ist nicht so weit weg von dem üblichen Beat, den sie kennen und diese Titel sind für das Ohr nicht so ungewohnt, wie die "richtigen" Salsa-Stücke. Allerdings: die Salsastücke, bei denen der Bläsersatz so richtig schräg und schrill und fast schon verjazzt ist, höre und tanze ich nicht gern.

Fazit: Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere über diese Musik auch mal weiterstöbert und das "Salsaland" entdeckt freuen Die Musik kaufen werde ich allerdings nicht.

Liebe Grüße
Birgit Marita


Geschrieben von: Klaus am: 18.05.09, 11:51:00
Hallo Birgit-Marita,
Das ist auch ein interessanter Aspekt - Rhythms del Mundo sozusagen als "Einstiegsdroge" zwinkern
Ich habe die Musik immer mal wieder in der "Zufallsrotation" laufen, und bin immer noch hin- und hergerissen. Insgesamt eher nervig, aber dann nach ein wenig Gewöhnung doch halbwegs erträglich.
Vielleicht kann das Ganze ja zum Geheimtipp für Tanzlehrer avancieren, zumal viele der Songs ja langsam sind... hoffentlich bringen die dann gegen Ende der Kurse mehr und mehr ursprüngliche Salsa mit ins Spiel, so dass die Schüler in die "richtige" Richtung gelenkt werden freuen
Gruß,
Klaus


Geschrieben von: comandante am: 18.05.09, 18:12:54
Hallo Birgit-Marita,
steter Tropfen höhlt den Stein, genau richtig. Bei mir war das auch nicht anders.
Als mein erster Congalehrer mir eine LP!!! (für alle Jüngeren unter uns: das sind die großen, schwarzen Schallplatten mit A- und B-Seite, die mit den Rillen, die die Kinder nie anfassen durften, ohne das die Väter einen Herzkasper bekamen)
... mit nach Hause gab, die ich mir anhören sollte, hatte ich nach dem ersten Hören das Gefühl, dass er mich auf den Arm nehmen will. "Was ist das denn (Gran Combo de Puerto Rico), James Last oder was? Was will der denn von mir, nee, das ist ja total daneben!"
Tja und jetzt ... Salsa, Salsa und nochmal Salsa. Aber auch bei mir hat es ein bisschen gedauert.
Hätte es die CD-Variante damals schon gegeben, wäre mir der Einstig sicherlich auch leichter gefallen. Mein Lehrer hätte die CD aber sicherlich nicht gehabt, weil er (so wie ich jetzt) ein absoluter Salsaholic war (ist).
Liebe Grüße nach Flensburg,
Max