01.10.07, 21:30:49
birgit marita
Weiss jemand, ob der Film "El Cantante" über das leben von Hector Lavoe mit Marc Anthony und Jennifer Lopez in die deutschen Kinos kommt bzw. ob es in Deutschland abspielbare DVDs von dem Film gibt?
01.10.07, 22:32:30
Klaus
Die Frage habe ich mir auch schon gestellt, aber nichts erhellendes im Internet finden können.
Salsafever titelt zwar mit "El Cantante - Demnächst in Deutschland!", aber über einen Kinostart hierzulande erfährt man leider auch dort nichts. Ich bin ganz heiß auf den Streifen, denn schon die Filmmusik gefällt mir sehr gut. Ich finde Marc Anthony hat da eine gute Balance zwischen dem Stil von Hector Lavoe und seinem ganz eigenen gefunden. Und die Lieder an sich sind einfach genial, da gibt es keinen Zweifel :-)
Gruß,
Klaus
27.01.08, 13:34:18
Klaus
Hallo,
Ich habe mittlerweile den Film auf DVD, allerdings direkt aus den USA und dann unter'm Weihnachtsbaum gelandet ;-)
Ich gehe mal davon aus, dass es keine Europa Version mehr geben wird, mangels Synchronisation besteht noch nicht einmal viel Hoffnung auf eine Verwertung im Fernsehen - aber man weiß ja nie...
Doch zum Film: Hector Lavoes Lebensgeschichte - beginnend von seinem Abschied aus Puerto Rico, bis hin zu seinem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch beim Sprung aus einem Hotelzimmer - wird hauptsächlich aus der Sicht seiner Frau Puchy (gespielt von Jennifer Lopez) erzählt. Diese hat wohl tatsächlich ein langes Interview mit den Machern des Film gegeben, bevor sie selber bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Dieses Interview zieht sich als roter Faden durch den Film, das eigentliche Leben Hector Lavoes wird in Form von Rückblenden in Puchys Erinnerungen gezeigt. Mir persönlich hat diese Erzähl-Form nicht so sehr gefallen, da man so immer wieder aus dem Geschehen herausgerissen wird, wenn es zurück ins Interview geht.
Ob es nun an Puchy liegt, mag ich nicht sagen, aber der Film konzentriert sich enorm auf die Drogenprobleme von Hector Lavoe. Schon in der ersten Szene muss Puchy ihn aus einem offensichtlichen Dealer-Haus herausholen, putscht ihn mit wieder anderem Zeugs auf, so dass er auf die Bühne gehen kann... Seine Musikalische Kariere dient eigentlich nur als Rahmenhandlung für die Geschichte des Liebespaares Hector und Puchy und Hectors Untergang durch die Drogen. Dabei werden immer wieder Konzertauftritte mit wunderschönen Lavoe Songs eingeflochten, die zwar gut in die Erzählung des Filmes passen, zeitlich aber nicht korrekt eingebaut wurden. So hat er meines Wissens nach seiner Trennung von Willie Colón nie mehr "Aguanile" life aufgeführt, im Film wird es aber ganz gegen Ende eingebunden, lange nach dieser Trennung.
Kritiker und Freunde Lavoes werfen dem Film vor, dass er viele andere Aspekte seines Lebens außen vor lässt. Ich kenne seine Lebensgeschichte nicht gut genug, um das zu bestätigen oder zu widerlegen, aber dass seine letzten Jahre, in denen er vereinsamt und von fast allen ehemaligen Freunden - und auch seiner Frau - verlassen dahinvegetiert, durch ein einziges Telefongespräch angedeutet wird, stimmt schon nachdenklich. Wer mal ein wenig im Internet stöbert, wird einige kontroverse Diskussionen finden, in denen u.A. die Musikindustrie scharf kritisiert wird.
Doch zurück zum Film: Es ist ein sehr ergreifender Film. Das Leben Hector Lavoes war neben dieser genialen Musik und seiner großen Popularität gesäumt von Katastrophen und Dramen. Wie schon angedeutet hätte ich mir weniger Gewicht auf das Interview mit Puchy gewünscht, dafür mehr über sein Schaffen als Musiker und gerne auch ein paar andere Aspekte seine Lebens. Ich kann trotzdem nur jedem empfehlen, sich diesen Film anzusehen, denn er bringt uns ein wichtiges Stück Salsa-Geschichte näher, regt zum Nachdenken und Nachforschen an, und enthält nicht zu letzt eine ganze Menge toller Musik.
Mittlerweile gibt es auch Importe der DVD in Deutschland zu kaufen, man braucht aber auf jeden Fall einen Region-Code freien DVD Player und genügend Englisch-Kenntnisse, um den Film dann zu sehen.
Klaus
27.01.08, 20:45:13
birgit marita
lieber klaus,
Danke für diese Beschreibung. :cool: Auch wenn ich von den kritischen Bemerkungen zu dem Film gehört habe, möchte ich ihn unbedingt sehen. wie gut (oder wie schlecht..) ist denn das englisch (mit spanisch gemixt?) zu verstehen?
herzvolle grüsse
birgit marita
28.01.08, 10:15:29
Klaus
wie gut (oder wie schlecht..) ist denn das englisch (mit spanisch gemixt?) zu verstehen?
Hallo Birgit Marita,
ich fand das Englisch recht gut verständlich, keine starken Slangs oder so. Spanisch wurde nur an ganz wenigen Stellen eingeflochten, und wenn ich mich recht erinnere gab's dann englische Untertitel. Selbst ohne verpasst man keine wesentlichen Infos, das waren dann eher die emotionalen Stellen ;)
An einer Stelle (als Hector Willie Colón kennen lernt) sagt Willie sogar, er würde/wolle kein Spanisch sprechen... was ich sehr traurig fand...
Gruß,
Klaus
29.11.09, 20:44:33
birgit marita
Gestern haben wir nun auch "El Cantante" gesehen. Es gibt ihn mittlerweile vielfach auf ebay (und sicherlich auch woanders) deutsch synchronisiert.
Ich kann der Beschreibung von Klaus nur zustimmen, ich hätte gern mehr vom Musiker Hector Lavoe erfahren. Der Film ist dennoch sehenswert, wenn auch ein wenig "bedrückend".
Ganz verstanden habe ich nicht: Hat Hector Lavoe mit Willie Colon die Salsa-Musik "erfunden"? Das habe ich aus einem Dialog nicht so klar verstehen können.
Empfehlende Grüße
Birgit Marita
30.11.09, 00:10:31
Klaus
Hallo Birgit Marita,
hey, endlich ein paar mehr "El Cantante" - Seher in Deutschland ;)
Also dass Willie und Hector die Salsa erfunden haben sollten ist sicher ein Gerücht oder womöglich Wunschdenken einzelner... Ich glaube nicht dass es einzelne Personen gibt, die die Salsa erfunden haben. Es war eine Art Musikalische Bewegung, ein (womöglich gar nicht so sehr) neuer Stil, der sich letztendlich im "Melting Pot" New York zusammengebraut hat. Willie Colón und Hector Lavoe waren Pioniere in dieser Zeit, aber nicht die Erfinder.
Letztendlich war "Salsa" ja auch nicht viel mehr als ein sehr praktischer Sammelbegriff für diverse Stile und Rhythmen, der die Vermarktung enorm vereinfachte... und die Jungs gehörten zu den ersten, die dieses "Label" für sich akzeptiert und genutzt haben.
Ich denke Willie, Hector und einige mehr (z.B. Ruben Blades) haben als recht junge und wilde Musiker, die das Leben im Barrio kritisch verarbeiteten, diese Musik auch jüngeren Menschen zugänglich gemacht.
Na ja, was soll's, sie waren beide begnadete Musiker und haben uns einige tolle Songs hinterlassen. Ein interessantes Detail im Film fand ich z.B., dass der Song "El Cantante" von Ruben Blades für Hector Lavoe geschrieben wurde - das war mir bis dahin unbekannt.
Übrigens sind Willie und Ruben noch aktiv... beide haben vor kurzem noch neue Alben herausgebracht: Willie Colón 2008 "El Malo II - Prisioneros Del Mambo" und Ruben Blades 2009 "Cantares del Subdesarrollo". Die sind zwar beide nicht mehr so revolutionär (und populär) wie z.B. "Siembra" (mit dem All-Time-Classic "Pedro Navaja" - was für ein Lied!), aber immer noch des Hörens wert...
Gruß,
Klaus
PS: Ich habe gerade beschlossen, den Film bald noch mal zu sehen. Auch wenn er, wie Du sehr treffend schreibst, bedrückend wirkt, es war doch auch viel tolle Musik mit dabei. Die Filmmusik gehört übrigens immer noch zu meinen Lieblings-CDs... ich muss gestehen, mit gefallen die Versionen von Marc Anthony mittlerweile besser, als die "Originale" von Hector Lavoe...