Costa Rica

ein Paradies für Naturfreaks und Salseros

von Robert Lücking

Baumsteigerfrosch
Ein Baumsteigerfrosch

Ergänzend zum Bericht über das Festival Internacional "Full Moon Salsa" in Costa Rica möchte ich noch ein paar Bemerkungen zu Costa Rica und seinen Salseros loswerden. Costa Rica hat sich im letzten Jahrzehnt neben Mexiko, Cuba, der Dominikanischen Republik und Brasilien als eines der populärsten Reiseländer in Mittel- und Südamerika etabliert. Grund dafür ist einerseits die zunehmende Beliebtheit des Ökotourismus und andererseits die naturräumliche Vielfalt Costa Ricas auf engstem Raum. Morgens bei Reggaemusik den karibischen Sonnenaufgang erleben, Ausbruch des Vulkans Arenal bei Nacht danach auf einer Gondelfahrt durchs Kronendach des tropischen Regenwaldes schweben, die kargen Weiden mit ihren Zebu-Herden in Guanacaste vorbeiziehen sehen und den Tag bei einem Glas Bananenmilchshake am Pazifik ausklingen lassen, ist nur hier möglich. Kulturell hat Costa Rica eher wenig vorzuzeigen – indigene Volksgruppen und ihre Spuren, wie in Mexiko, Guatemala, Ecuador oder Peru, sucht man vergebens. Dennoch ist auch hier die lateinamerikanische Mentalität und Lebensfreude allerorten spürbar, und für Erlebnisreisende, die sich gerne unter die Bevölkerung mischen, hat Costa Rica einiges zu bieten. Wenn man wenig Zeit hat, mag man die klassischen Ziele wie den Nebelwald von Monteverde, den Strand von Manuel Antonio oder den Vulkan Arenal mit seinen spektakulären Ausbrüchen bevorzugen. Wer eher abseits vom allgemeinen Trubel reisen möchte, der sollte eine Tour durch den Nationalpark Corcovado oder die Besteigung des höchsten Gipfels in Costa Rica, des Cerro Chirripó, ins Auge fassen. Aber überall begeistert die üppige Tier- und Pflanzenvielfalt gleichermaßen.

Tope / Pferdeumzug in Costa Rica
Am Nationalfeiertag offenbart sich der ganze Stolz der Ticos auf ihr kleines Land.

Auch den Salsa- und Merengue-Fans bietet sich ein reichhaltiges Angebot, angefangen von einschlägigen Diskotheken über eine Vielfalt öffentlicher und privater Festivitäten bis hin zum gut bestückten Plattenladen. Costa Rica ist vor allem berühmt für seine Carnevales (vor allem der von Limón im Oktober) und die Topes, Pferdeumzüge der guanacastekischen "Cowboys", stets verbunden mit irgendwelchen bewegungsfreudigen Tanzaktivitäten. Von den vielen Diskotheken möchte ich ein paar hervorheben, die für Costa Rica-Reisende Salsa-Fans zum absoluten Muß gehören:

Salsa 54 ist die größte, bekannteste und traditionsreichste Disco in San José. Unweit des zentral gelegenen Plaza de la Cultura, ist Salsa 54 die erste Anlaufstelle für den ernsthaften Salsero. Das geht schon an der Eingangstür los: schicke Kleidung ist Pflicht, und wer in Jeans und T-Shirt erscheint, kann ebenso gut gleich wieder nach Hause gehen. Im Salsa 54 treffen sich die besten Salsa-Tänzer aus ganz Costa Rica, und für die absoluten Profis gibt es eine eigene Tanzbühne, wo man sein Können unter Beweis stellen kann. Aber keine Angst, auch hier ist die Freude am Tanzen oberstes Gebot, so daß man keinerlei Hemmungen haben braucht, wenn man nur den einfachen Schritt beherrscht oder gar nur im Rhythmus der Musik auf der Pista herumhopst. Auch die momentan beste und populärste Salsa-Band Costa Ricas, "Los Brillanticos", spielt hier regelmäßig live, und wenn die ersten Klänge von "Pa' Curubandé Me Voy" ertönen, ist niemand mehr auf den Sofas und Stühlen zu halten.

Ähnlich populär wie Salsa 54 ist El Tobogan, ein etwas außerhalb San Josés gelegener Disco-Restaurant-Komplex, wo ebenfalls regelmäßig Live-Bands spielen, neben "Los Brillanticos" auch "Taboga Band". El Tobogan ist etwas mehr touristisiert als Salsa 54, hat dafür aber auch mehr Abwechslung zu bieten und ist so auch für den nicht so fanatischen Salsero interessant.

Ziemlich zentrumsnah wiederum liegt El Pueblo, ein malerischer Tourismuskomplex mit Souvenirgeschäften, tollen Restaurants, Bars und Kneipen und zwei Diskotheken, alles auf engstem Raum. Hier kann man so richtig abschalten und sich auf unterschiedlichste Weise ins Tag- und Nachtleben stürzen. In den vergleichsweise noblen Diskotheken wird abwechselnd Salsa, Merengue und auch Pop- und Rockmusik gespielt, ein buntes Programm also, das allen Geschmäckern gerecht wird. El Pueblo wird selbst sehr gehobenen touristischen Ansprüchen gerecht (wie auch immer man das beurteilen mag), es fehlt aber ein wenig die mehr authentische Atmosphäre einer Diskothek wie Salsa 54.

am Strand von Cahuita südlich von Limón
Strand von Cahuita,
südlich von Limón

Mein absoluter Geheimtip ist die Diskothek La Caribeña, östlich des Zentrums im Stadtteil Zapote gelegen (unweit der Plaza de Toros). Wer wirklich "typische" Ticos (Spitzname für die Costaricaner) aller Rassen und Schichten kennenlernen und im Gefühl der Fiesta untertauchen möchte, der ist hier richtig. Von Kleiderordnung keine Spur, jeder Musikbegeisterte wird eingelassen! Hier werden auch nicht nur die letzten Hits gespielt, sondern auch Salsa-Klassiker und völlig unbekannte, wenngleich super tanzbare Stücke. Das Musikprogramm ist sehr abwechslungsreich, mit regelmäßigen Wechseln zwischen Salsa, Merengue, Reggae und einer "ronda romántica". Dazu gibt es jeden Freitag das klassische Gericht der karibischen Region um Limón, Rice and Beans mit Patacones, ein Gedicht!

Wer dann Geschmack an der Musik gefunden hat und sich das eine oder andere Souvenir mit nach Hause nehmen möchte, der sollte die CD-Läden nahe des Parque Central / Calle 2 in San José abklappern. Wenn man Titel oder Interpret nicht kennt, einfach vorsingen... das meist fachkundige Personal freut sich ungemein und findet das Gesuchte in der Regel sofort.

Hübsche Ticas flanieren auf der Plaza de La Cultura im Zentrum San JosésNoch ein paar Tips zum Salsen in Costa Rica. Getanzt wird ausnahmslos im Paarstil, was aber nicht bedeutet, daß man nur als Paar in eine Diskothek gehen kann. Meist tanzen die Ticos nämlich bunt gemischt, d.h. es werden wechselseitig die Partner des Freundes oder Kollegen aufgefordert. Männer haben kaum Probleme, eine Tica zum Tanzen aufzufordern, sollten sich aber zuvor vergewissern, ob deren Freund damit einverstanden ist. Ticos sind heißblütig, und in weniger noblen Diskotheken sind Eifersüchteleien und daraus resultierende Schlägereien nicht selten. Frauen fordern selbst nicht auf (als Extranjera kann man sich das zwar erlauben, aber das wird dann vom Aufgeforderten meist in eine andere Richtung gedeutet...). Trotzdem, als Frau sitzt man nicht lange alleine, sondern wird spätestens nach wenigen Minuten auf die Pista geschleppt, wobei die Ticos in aller Regel nicht aufdringlich sind und meist auch nicht mehr als einfach nur tanzen wollen. Es ist daher vor allem in den hier genannten Diskotheken kein Problem, auch allein als Frau oder in der Gruppe auszugehen. Allgemein gilt: je vornehmer die Diskothek, desto zurückhaltender sind die Ticos. Aber Vorsicht: das geringste Zeichen von Zuneigung einem fremden Tanzpartner gegenüber, und man kann sich innerhalb kurzer Zeit einem durchaus ernst gemeinten Heiratsantrag gegenüber sehen. Ticos haben eine vollkommen andere Einstellung zu Beziehungen als wir Deutschen (und überraschenderweise auch vielen andere Latinos), und das sollte man bei Urlaubsbekanntschaften (die sich nirgends so leicht schließen lassen als beim Salsa-Tanzen) immer berücksichtigen.

Im Bereich von Limón konzentriert sich die schwarze Bevölkerung Costa Ricas
Im Bereich von Limón ...

Beste Reisezeit für Costa Rica ist von Ende Dezember bis Mitte Februar. Während dieser Zeit ist nicht nur das Klima äußerst angenehm, trocken und nicht zu heiß (vor allem in San José), nein, auch die wichtigsten Festivitäten fallen in diese Zeit, so etwa der Karneval im Hochland und an der Pazifikküste, und nicht zuletzt das Festival Internacional "Full Moon Salsa", so es denn fortgeführt wird. Beim Karneval sollte man sich die farbenprächtigen Staßenumzüge ebensowenig entgehen lassen wie die zahlreichen Live-Konzerte nationaler und internationaler Salsa- und Merengue-Gruppen. Rechtzeitig informieren kann man sich aus der Tageszeitung "La Nación", auch im Internet unter www.nacion.co.cr erreichbar.

Fazit: Wer sich für afrokubanische Musikkultur interessiert oder Salsa als Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens miterleben möchte, ist auf Cuba oder in Kolumbien sicherlich besser aufgehoben. Wer aber einen unvergeßlichen Erlebnisurlaub, Natur und Traumstrände mit lateinamerikanischer Lebensfreude und Salsa und Merengue bis zum Umfallen verbinden möchte, der sollte sich als nächstes Reiseziel unbedingt Costa Rica vormerken.

Zum Bericht des Full Moon Salsa Festivals
Zu den Costa Rica-Seiten des Salsaholic (Frames)
Zur Hauptseite des Salsaholic


Copyright: Text und Bilder: Rob Lücking (rlucking@hotmail.com), Layout Klaus Reiter (klaus@salsaholic.de). Letzte Änderung: 4.4.2000.