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CDs

Ricardo Lemvo & Makina Loca: Mambo Yo Yo

(p) 1998 Putumayo World Music, (c) 1998 Mopiato Music, PUTU 138-2 (ISBN 188526560-3)

CD-Besprechung von Rob Lücking

CD Cover: Ricardo Lemvo, "Mambo Yo Yo" Ich muß ja zu meiner Schande gestehen, daß die Kuba-Welle ein wenig an mir vorbeigerollt ist, und so hatte ich in letzter Zeit einigen Nachholbedarf (besser spät als nie!). Während die Kubaner zur Zeit noch alles abräumen, rollt eine zweite Salsa-Son-Welle auf uns zu: die Afrikaner. Nun ist die Kombination Salsa bzw. Son und Afrika keineswegs neu (abgesehen davon, daß die Wurzeln dieser Musik in Afrika liegen ...): bereits seit den 30er Jahren gelangte kubanische Musik im Senegal und Kongo zu außerordentlicher Popularität. Rumba, Son und Charanga wurden nicht nur in Bars rauf und runter gespielt, sondern auch von lokalen Bands adaptiert und mit mit neuen afrikanischen Elementen vermischt. International gesehen blieben Gruppen wie "Star Band of Dakar", "Orchestre Baobab de Dakar", "Wganda Kenya" und selbst "Africando" aber allenfalls Geheimtips. Das änderte sich schlagartig 1994 mit Africando's Smash-Hit Yah Boy, der inzwischen auf allen möglichen Samplern auftaucht (verblüffenden Ähnlichkeiten mit Jerry Galante's Pa'l Bailador bin ich noch nicht auf die Spur gekommen ...).

Nun ist Africando weniger eine eigenständige Band als vielmehr ein Projekt der Produzenten und Arranger Ibrahim Sylla und Boncana Maïga mit New Yorker Salsa-Musikern und den herausragenden afrikanischen Interpreten und Song-Writern Pape Seck (Star Band of Dakar, 1995 verstorben), Medoune Diallo (Orchestre Baobab de Dakar) und Nicholas Menheim. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, verkörperte Africando bisher die neue Afro-kubanische Welle: weg von der kommerziellen Pop-Salsa, zurück zu kubanischem Son und Charanga, dabei unter erfreulich sparsamer, aber ungemein effektiver Verwendung der in Afrika so beliebten elektronischen Instrumente (E-Gitarre, Synthesizer etc.). Dazu kommt die reizvolle Mischung von Spanisch und Portugiesisch mit afrikanischen Dialekten, Französisch und Kreolisch. Und wenn man weiß, daß Afrikaner am Werk sind, braucht man sich um Rhythmus und Tanzfreude ohnehin nicht zu sorgen ... Inzwischen hat Africando vier erstklassige und auch international hochgelobte Alben produziert: 1993 "Trovador", 1994 "Tierra Tradicional" (mit dem Hit Yah Boy), 1996 "Gombo Salsa" (auf diesen Seiten bereits von Klaus besprochen), und 1998 "Baloba!" (Besprechung folgt bestimmt).

Soviel zur Vorgeschichte. Vor zwei Jahren fiel mir nun ein Sampler aus der mexikanischen Serie "Titanes De La Salsa" [Vol. 10, (p) 1997 Discos Musart] in die Hände, welcher neben Melcochita und Carlos Guerrero auch einen Titel der bis dahin völlig unbekannten Gruppe Ricardo Lemvo & Makina Loca mit dem bezeichnenden Namen Salsa Africana (-Mama Kiyelele-) enthielt. Während man ja oft eine Weile braucht, bis einem ein Stück gefällt, und diese Vorliebe dann nach einer weiteren Weile wieder abebbt, ging mir Salsa Africana vom ersten Hören an in Ohren und Beine und ist bis heute einer meiner Favoriten geblieben (und ein Abräumer auf Salsa-Parties!). Vor ein paar Wochen, während eines U.S.A.-Aufenthaltes, stolperte ich wieder über diese Gruppe, und zwar auf gleich drei Samplern des relativ neuen (und sehr empfehlenswerten!) Labels Putumayo World Music. Als ich dann im Begleitheft las, daß Putumayo 1998 auch ein neues Album von Ricardo Lemvo & Makina Loca herausgebracht hatte, war mein nächster Gang zum Plattenladen, wo ich nicht nur dieses, sondern zu meiner Freude auch das erste Album der Gruppe erstand ["Tata Masamba", (p) & (c) 1996 Mopiato Music (mit Mama Kiyelele = Originaltitel von Salsa Africana)].

CD Cover: Ricardo Lemvo, "Tata Masamba"Nun, was soll ich sagen? Wenn Africando klasse ist, dann sind Ricardo Lemvo & Makina Loca ein Phänomen! Ricardo Lemvo selbst kommt aus der Demokratischen Republik Kongo (vormals Zaïre) und kam schon in seiner Kindheit mit kubanischer Musik in Berührung (er wohnte in der Hauptstadt Kinshasa über einer Bar...): "In Cuban songs I heard the drums and voices of Africa. I was overcome by emotion when I realized that this was the music that my enslaved ancestors took with them to the Americas." Während seiner Schulzeit sang Ricardo in Rock- und Rhythm & Blues-Bands und sammelte Platten von Orquesta Aragon und Sonora Matancera. 1972 emigrierte er nach Los Angeles zu seinem Vater und agierte in den 80er Jahren, neben Job und Studium, als Background-Sänger bei verschiedenen afro-kubanischen Bands. Hier lernte er Niño Jesús Alejandro Peréz kennen, mit welchem er 1990 die Formation Makina Loca gründete und 1996 sein erstes Album "Tata Masamba" aufnahm. Dieses wiederum fiel ein Jahr später dem Gründer und Geschäftsführer von Putumayo, Dan Storper, in die Hände, der ihn als ersten Artisten seines neuen Labels sozusagen vom Fleck weg unter Vertrag nahm.

"Mambo Yo Yo" ist, ebenso wie "Tata Masamba", eine exzellente Produktion mit einem neuen, eigenständigen Afro-kubanischen Sound (Originalton Ricardo Lemvo: "...africanizing the soul of Cuban music..."). Hier springt der Funke von der ersten Sekunde an über, und man kann selbst mit Gipsfuß, ausgerenktem Arm und steifem Genick nicht lange stillsitzen. Seien es schnelle oder langsamere Afro-Son-Salsa-Stücke wie Mambo Yo Yo, Él De La Rumba Soy Yo, Biloló, Africa Havana Paris (bereits auch auf "Tata Masamba" vertreten), Montunos wie Rinkinkaya (mit einer Rumba-Einlage) oder afrikanische Soukous (entspricht dem antillanischen Zouk) wie Aquella Bendita Foto, No Me Engañes Más und Manuela, überall scheinen Clave-Rhythmen und afrikanische Dialekte, Flauta und kongolesische E-Gitarre wie füreinander geschaffen. Rhythmuswechsel von Montuno oder Balada zu Soukous hören sich so selbstverständlich an, als ob es nie etwas anderes gegeben hätte (Juan Luis Guerra hätte seine helle Freude daran!). Und nicht nur das, fast alle Stücke sind von Ricardo Lemvo und Niño Jesús selbst geschrieben. Das etwas andere Layout und das sehr informative Begleitheit von "Mambo Yo Yo" sind da nur noch Sahnehäubchen ...

Kein Zweifel: Wenn Ricardo Lemvo & Makina Loca so weitermachen und der Nachschub aus dem Senegal, Angola und dem Kongo nicht abreißt, werden sie eine Afro-Salsa-Welle ins Rollen bringen, gegen die sich "Deep Impact" wie ein leichtes Gekräusel ausnimmt. "I hope you enjoy this album and spread the word", schreibt Dan Storper im Begleitwort zu "Mambo Yo Yo". Wenn ich mit dieser Besprechung meinen bescheidenen Beitrag dazu leisten kann, soll es mir recht sein. Einen Wermutstropfen gab es allerdings im Zusammenhang mit Dan Storper's Ratschlag "... if you want the ultimate cure for depression, see Ricardo Lemvo & Makina Loca perform live." Ein paar Tage vor meiner Rückkehr aus U.S.A. erfuhr ich nämlich, das just an meinem Abreisetag ausgerechnet wer in Chicago live und open-air und umsonst spielen sollte...? Dreimal dürft Ihr raten... (ich befinde mich noch heute in tiefen Depressionen...).

Noch ein Tip zum Erstehen dieser CD: Putumayo ist als internationales Label inzwischen auch bei uns regelmäßig in den Plattenregalen zu finden (empfehlenswert die Sampler "Afro Latino" und "Latino Latino"). Auf der Suche nach Ricardo Lemvo & Makina Loca sollte man eventuell auch unter afrikanischer Folklore nachsehen (das gilt auch für Africando und die anderen genannten Gruppen). Bei erfolgloser Suche hilft schließlich ein Blick ins Internet unter www.putumayo.com.

Die Titel von "Mambo Yo Yo" im Überblick:

  1. Mambo Yo Yo
  2. Rinkinkaya
  3. Aquella Bendita Foto
  4. Él De La Rumba Soy Yo (Afrika Mokili Mobimba)
  5. El Aguacero
  6. Biloló
  7. No Me Engañes Más
  8. Mujer Divina
  9. Africa Havana Paris
  10. Manuela
zum Seitenanfang Text: Copyright '99 Rob Lücking (rlucking@hotmail.com)
Ranking-Hits Layout: Copyright '99 Klaus Reiter (klaus@salsaholic.de). Letzte Änderung: 4.4.2000.
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