|

|
 |
Celia Cruz: Siempre Viviré
(p) & (c) 2000 Sony Music Entertainment Inc. (500589 2
/ 5005892000)
CD-Besprechung von Rob
Lücking

Celia Cruz ist, zurecht und unbestritten, die "Reina de la Salsa",
gekrönt spätestens 1994 mit dem National Edowment For The Arts, der
höchsten künstlerischen Auszeichnung in den U.S.A. Umberto Valverde,
Autor des Buches "Reina Rumba, Celia Cruz", schrieb einmal: "Celia Cruz es
la más grande guarachera del mundo de la salsa, cuanto canta tiembla
Europa, se contorsiona Africa, se estremece Nueva York, vibra Puerto Rico, se
encienden las Antillas, y el goce de la fiesta estalla en todo el Caribe."
Die unvergleichliche Faszination, welche von Celia Cruz ausgeht, erfuhr ich am
eigenen Leibe beim Full Moon Salsa-Festival 1999 in
Costa Rica, bei welchem sie trotz ihrer mehr als 70 Jahre alles
außer José Alberto "El Canario" in Grund und Boden sang.
Und so ist auch die Besprechung eines neuen Albums dieses kubanischen
Urgesteins naturgemäß der Höhepunkt eines sehr ereignisreichen
Salsa-Jahres.
Wenn auch Tito Puente den absoluten
Weltrekord an veröffentlichten Alben hält 118 sind es glaube
ich genau so kommt ihm Celia Cruz langsam bedrohlich nahe. SIEMPRE
VIVIRÉ ist so in etwa ihr 90. (einschließlich der Aufnahmen
mit den Fania All Stars), und es ist schon unglaublich, mit welcher Energie die
Diva auch jetzt noch zu Werke geht. Die 70+ Jahre nimmt man ihr einfach nicht
ab, und von Aufhören kann aus ihrer Sicht keine Rede sein: "Es la
muerte... Creo que la inactividad es el cáncer del alma... Siempre he
pensado que me retiraré el día que Dios apague mis facultades.
Yo, como Miguelito Valdez, quiero despedirme de la vida en el escenario..."
Und obwohl Celia stets und trotz aller Kommerzialisierung der Salsa ihrem Stil
treu geblieben ist: jedes ihrer Alben birgt wieder neue Überraschungen.
Auch das allererste mit dem Label Sony, nach vielen Jahren bei RMM, ist in der
Tat "...full of surprises...", wie Sony auf seiner offiziellen Webseite
zu
SIEMPRE VIVIRÉ zurecht feststellt.
SIEMPRE VIVIRÉ, das mag eine Anspielung auf den
plötzlichen Tod Tito Puentes im Juni dieses Jahres sein. "Para
mí era el caballero del escenario. Su amistad, su cariño y su
forma de tratarme es algo que siempre llevo en mi mente", sagt Celia Cruz
über ihren langjährigen Mentor, Weggefährten und Freund, dem sie
dieses Album gewidmet hat. Folgerichtig ist auch der erste Song, Celia's Oye
Como Va, eine Hommage an den Meister der Timbales und seinen
größten Hit. Von Oye Como Va gibt es ja schon unzählige Cover,
angefangen bei Santana's Welthit bis hin zur Pop-Version von Tito Puente Jr.
Was aber keiner bisher gewagt hat, nämlich den Coro mit
Gesangsimprovisationen zu unterlegen, Celia hat's getan! Und herausgekommen ist
eine eigenwillige, des "Kings of Latin Music" mehr als würdige Version,
die dem Album naturgemäß ihren Stempel aufdrückt.
Ansonsten besticht SIEMPRE VIVIRÉ durch eine rhythmische
Variationsbreite, wie wir sie zwar von Celia kennen, die aber vielleicht noch
nie so konsequent durchgezogen wurde wie auf diesem Album. Das mag daran
liegen, daß gleich zwei hochkarätige Produzenten ihre Finger im
Spiel hatten: Celias langjähriger musikalischer
"Partner" Oscar Gómez und der "König Midas" der Latin-Szene, Emilio
Esteban Jr. "Zwei solche Giganten der Musikindustrie zusammenzubringen, das
führte zu sehr unterschiedlichen Ideen und sehr originellen Details",
so Celia. Da wechseln rasanter Plena-Guaguancó (La Pachanga)
unvermittelt mit klassischem Montuno (Por Si Acaso No Regreso), sanfte
Bachata (Dos Días En La Vida) mit fetziger Guaracha in der
Tradition von Cucalá (Contrapunto Musical), und auch die Freunde
des mexikanischen Bolero (Tu Voz) und, laut Sony, selbst des
argentinischen Tango kommen nicht zu kurz, obwohl Uno, als Tango
angepriesen, nicht mehr und nicht weniger ist als astreine Salsa.
Schnörkellose Salsa zum Abtanzen gibt's natürlich auch: neben
Contrapunto Musical werden La Medicina Cubana und vor allem
Quítate De Ahí die Schuhsohlen zum Glühen bringen.
Und wer meint, Rave sei High-Energy-Music, der sollte einfach mal La
Sopa auflegen... Ein Welthit wie La Vida Es Un Carnaval auf dem
Vorgängeralbum MI VIDA ES CANTAR fehlt SIEMPRE VIVIRÉ, aber ein
solcher Ohrwurm ist auch wirklich schwer zu toppen.
Das Zusammenwirken von Celia Cruz, zwei
hochkarätigen Produzenten und durchweg exzellenten Musikern
(einschließlich des Miami Symphonic Orquestra!) auf einem Label wie Sony
kann eigentlich nur zu einem Ergebnis führen: Perfektionismus in einer
Form, in welcher von Anfang bis Ende nichts, aber auch gar nichts dem Zufall
überlassen wird. Das gilt auch für das gelungene Booklet mit allen
Liedtexten und wunderschönen aktuellen Fotos der Diva (wie gesagt, die
mehr als 70 Jahre nimmt man ihr nicht ab...). Bei den meisten anderen
Künstlern wäre eine solche Kombination gnadenlos in die kommerzielle
Schublade abgerutscht, vor allem, wenn wie mit Yo Viviré (I Will
Survive) noch die unvermeidliche Salsa-Coverversion eines Gloria
Gaynor-Evergreens hinzukommt. Nicht aber bei Celia! Und so bleibt uns nichts
anderes übrig, als auch hier fünf Congas zu vergeben (und zwar in
allen Kategorien!) und festzustellen, daß Celia Cruz mit SIEMPRE
VIVIRÉ der Topact des Jahres 2000 gelungen ist. Und eines bleibt auch
unzweifelhaft: Celia Cruz vivirá para siempre!
Leider hat Sony den Einbau von Hörproben aus
unerklärlichen Gründen strengstens untersagt, obwohl man doch
eigentlich seine Produkte (und das ist nun einmal die Musik) verkaufen
will...
|
Die Titel im Überblick: |
|
1. |
Celia's Oye Como Va (Oye
Como Va) |
Latin-Rock-Montuno |
|
2. |
La Sopa |
Plena-Guaguancó |
|
3. |
Dos Días En La
Vida |
Bachata |
|
4. |
Contrapunto Musical |
Guaracha |
|
5. |
La Pachanga |
Plena-Guaguancó |
|
6. |
Por Si Acaso No Regreso |
Montuno |
|
7. |
Yo Viviré (I Will
Survive) |
Guaguancó-Salsa |
|
8. |
La Medicina Cubana |
Guaracha |
|
9. |
Quítate De
Ahí |
Salsa |
|
10. |
La Llave |
Bolero-Son |
|
11. |
Uno |
Salsa |
|
12. |
Tu Voz |
Bolero Mexicano |
|