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Konzertberichte

Für all' diejenigen, die nicht mit dabei sein konnten... 


Afro Cuban All Stars

(13. Juni '98, Köln) 

Am 13. Juni veranstaltete Misereor ein Weltmusikfest in Köln, bei dem nicht nur Latin Fans auf ihre Kosten kommen sollten: Die deutsche HipHop / Reggae / Afro Gruppe Weep Not Child sollte die Stimmung anwärmen, Salif Keita war für Fans afrikanischer Bands sicherlich ein Leckerbissen, Olodum beglückte die Fans brasilianischer Rhythmen mit einer ganzen Batterie von Trommlern. Und als Höhepunkt kam dann eine Band mit Sängern, die fast 80 Jahre (jeder für sich, nicht zusammen!) alt sind: Afro Cuban All Stars.

Ich habe von deren wunderbarer CD "A Toda Cuba Le Gusta" schon geschrieben (s. CD-Besprechung Okt. '97). Die Erwartungen waren also enorm hoch. Und obwohl einige der bekanntesten Stars nicht dabei waren - z.B. der Pianist Rubén Gonzales und Compay Segundo - wurde diese Erwartungen noch übertroffen!

Doch von vorne: Salif Keita bot eine sehr schöne und interessante Musik an, musikalisch sicherlich anspruchsvoll. Doch der recht Funken wollte nicht überspringen. Das geschah dann bei Olodum zum ersten mal. Diese Band, aus einem Sozialprojekt in Salvador de Bahia entstanden, hat schon mit vielen Stars zusammengearbeitet, spätestens seit ihrem Auftritt in Michael Jacksons Video "They Don't Care About Us" sind sie weltberühmt. Ich fand ihren Auftritt in Köln jedoch ein wenig enttäuschend, manche vermuteten, die Gruppe wäre nur in zweiter Besetzung angetreten. Nicht daß sie schlecht waren, aber bei so vielen Trommeln hatte ich mehr Rhythmus, mehr Drive erwartet.

Zu meiner großen Überraschung waren nicht nur für mich die Afro Cuban All Stars der absolute Höhepunkt des Abends. Kaum zu glauben, wie die Musiker schon vor der ersten Note vom Publikum bejubelt wurden. Und zu recht! Vom ersten Lied an verzauberten sie die Zuschauer. In die einzelnen Lieder waren immer wieder kleinere Solos eingebaut, bei denen sich die Musiker von ihrer jeweiligen Schokoladenseite präsentieren konnten, das ganze ergab aber trotzdem sehr Harmonische Stücke. Von langsameren Melodien wie Boleros und Guajiras, über fetzigen Son und Guaracha bis hin zu Jazz haben sie ein sehr abwechslungsreiches Programm vorgeführt.

Unglaublich, welche Freude an der Musik alle Bandmitglieder, insbesondere die Soneros (Sänger), zeigten. Ibrahím Ferrer, Felix Valoy Valdés und Manuel "Puntilla" Licea präsentierten sich als äußerst sympathische Gentlemen, und auch die einzige Frau in der Band, Teresita García Caturla strahlte nur so vor Energie. Als kleines Tribut an die gerade begonnene Fußball WM warf sie unzählige male ihre Shekere in Publikum und fing sie wieder auf - die Menge tobte!

Es war klar, daß diese Band ihr Publikum nicht ohne eine Zugabe verlassen konnte. So kamen sie unter tosendem Beifall wieder auf die Bühne, mit ihnen der Gitarrist von Salif Keita (mit E-Gitarre!), und stimmten das allseits bekannte "Guantanamera" an. Das hatten wir doch schon mal an diesem Abend? Ja, von Olodum, natürlich leicht abgewandelt. Und plötzlich kamen auch sämtliche Musiker von Olodum - mit all ihren Trommeln - auf die Bühne. Und einige von Salif Keitas Leuten. Und Weep Not Child. Ein furioses Finale! Der ganze Kölner Tanzbrunnen war in Party-Laune - die Musiker inbegriffen. Die waren so gut drauf, daß sie beim "Ausmarsch" anfingen zu improvisieren.

Nach lange anhaltenden Ovationen gaben die Afro Cuban All Stars noch eine zweite Zugabe, dann machte der Ansager unmißverständlich klar, daß Schluß sei. Vermutlich mußte Punkt 10 Uhr Stille sein, damit die Fische im Rhein nicht geweckt werden...

Ich habe in den letzten Monaten eine ganze Reihe guter Konzerte sehen können - u.a. zwölf erstklassige Gruppen in New York und auf Pfingsten das Team Cuba, aber keines dieser Konzerte hat mich so bewegt wie das der Afro Cuban All Stars. Ich kann jedem, der die Gelegenheit hat sie zu sehen nur empfehlen, diese wahrzunehmen! Sie sind im Juli und August in Deutschland und Umgebung unterwegs (s. Konzertkalender) und ich bin sicher, daß ich noch mindestens ein Konzert von ihnen besuchen werde!

Zum Abschluß noch zwei Worte an die Veranstalter: Zunächst vielen Dank für diese tolle Veranstaltung! Jede der drei Gruppen wäre den Fans der entsprechenden Musikrichtung sicher die ca. 45,- DM Eintrittsgeld wert gewesen. Alles zusammen war eine schöne Gelegenheit, mal über den eigenen musikalischen Tellerrand zu schauen. Es war dadurch ein friedliches Zusammentreffen von Kontinenten, Kulturen, Musikstilen und Generationen. Schade nur, daß man als normaler Zuschauer keine Fotos machen durfte. Deshalb muß diese Seite hier auch ohne Bilder bleiben.

Es spielten folgende Musiker:

Juan de Marcos Gonzáles

 

Leitung, Gesang

Ibrahím Ferrer
Felix Valoy Valdés
Manuel "Puntilla" Licea
Teresita García Caturla

Gesang

Guillermo "Rubalcaba" Gonzáles Camejo

Klavier

"Amadito" Valdés Pérez

Timbales

Daniel de Jesús
"Gordo" Ramos Alayo
Alejandro Segundo Pichardo
Yanko Pisaco Pichardo

Trompete

Jesús "Aguaje" Ramos Redonet
Alberto Muñoz Martinez

Posaune

Orlando "Cachaíto" López

Baby Bass

Carlos Gonzáles Cardenas

Bongos

Angel "Panguele" Terry Domech

Congas

Klaus Reiter

Alle Konzertberichte geben persönliche Meinungen wieder.

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