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Konzertberichte

Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten... 

Antilliaanse Feesten - Indoor Caribbean Festival

Panoramaansicht des Antwerpener Sportpaleis (zum Vergrössern anklicken)

Sportpaleis Antwerpen, 18. 3. 2000

Zum dritten mal fand nur die kleinere Indoor Variante des bekannten Hoogstraten Festivals im Antwerpener Sportpaleis statt. Aber "kleiner" ist hier wahrlich relativ zu sehen: Der Sportpaleis fasst bis zu 18.000 Zuschauer und war meiner Schätzung nach mindestens so voll wie bei der Premiere dieses Festivals '98, zu der 12.000 Karten verkauft wurden.

Auf dem Programm standen dieses Jahr folgende Bands:

Plena Libre - gut zu sehen: Zwei Banderetas. Ganz rechts am Bass der Bandleader (zum Vergrössern anklicken)Plena Libre (Plena, Puerto Rico)

Der puertoricanischen Band Plena Libre ist es zu verdanken, dass der traditionelle Plena Rhythmus aus der Folklore Ecke heraus geholt wurde und sich neben Salsa, Merengue und Bachata etablieren konnte - sagt man. Davon habe ich in deutschen Salsatecas zwar noch nicht viel merken können, aber in Antwerpen haben sie diese Musikrichtung vorzüglich repräsentiert.

Plena Libre - dieser Sänger war besonders bei den Zuschauerinen sehr beliebt (zum Vergrössern anklicken)Auffällig an der 13köpfigen Band die besonders große Rhythmus-Sektion: Neben den auch in Salsa Gruppen üblichen Congas, Timbales und Small Percussion wie Güiro und Glocke bestand diese aus drei "Banderetas". Diese für Plena typischen Instrumente sind Tamborin-ähnliche Handtrommeln, deren Klang irgendwo zwischen Conga und Bongo liegt und die bei Konzerten den großen Vorteil aufweisen, dass die Musiker sich frei auf der Bühne bewegen können.

Plena Libre - TanzeinlageAls erste Gruppe hatte es Plena Libre natürlich nicht einfach: Der Sportpaleis war bei Beginn des Konzertes noch recht leer, die ankommenden Zuschauer mussten erst mal in Stimmung gebracht werden, zumal es anfangs noch recht kühl in der riesigen Halle war. Doch trotz des für die meisten Zuschauer wohl eher unbekannten Programms konnten Gary Nuñez (Bassist und Leiter der Gruppe) und seine Leute das Eis brechen. Besonders bei der eigenen, immer schneller werdenden Version des Los Van Van Klassikers "Por Encima del Nivel" ("Sandungera") und dem abschließenden Gruppentanz (ein wenig wie "Macarena" - s. Bild) war das Publikum hinreichend aufgelockert um zu vergessen, dass man sich nicht in der Karibik, sondern im regnerischen Belgien befand. In ihrem anderthalbstündigen Auftritt hat Plena Libre also deutlich mehr geleistet, als den Anwesenden ihre ersten Takte Plena beizubringen.

Grupo Dan Den (zum vergrössern anklicken)Carlos Alfonso y su Dan Den (Salsa, Kuba)

Nach ca. einer halben Stunde Pause kündigte sich ein erster Höhepunkt des Abends an: Die kubanischen Salseros von "Dan Den". Hier war von Anfang an klar zu sehen, wer der Chef ist: Carlos Alfonso stand mit seinem Keyboard mitten auf der Bühne, direkt vor dem Schlagzeug (ja, ein "richtiges" Schlagzeug, in das die Timbales integriert waren). Das störte den Gesamteindruck jedoch keinesfalls - im Gegenteil: Es war eine echte Freude zuzusehen, Dan Den (zum vergrössern anklicken)mit welchem Spaß dieser Mann die Tasten bediente und dem Rest der Band die Einsätze signalisierte. Die größte Aufmerksamkeit des Publikums galt aber sicher den Sängern - drei Männer unterschiedlichsten Alters, jeder mit seiner eigenen Charakteristik beim Singen. Sie boten eine professionelle Show, nutzen immer wieder den weit ins Publikum reichenden "Laufsteg", tanzten, verteilten Küsschen und forderten die Menge zum mitmachen auf. Kein Wunder, dass die Stimmung schnell stieg und der mittlerweile recht gut gefüllte Saal zu kochen begann.

Die kubanische Flagge durfte natürlich nicht fehlen... (zum vergrössern anklicken) Wer übrigens wie ich bisher eher ältere Aufnahmen von Dan Den kannte, durfte positiv überrascht sein: Von den billigen Synthi-Klängen und schmalziger Salsa Romantica der CD "Mi Cuerpo" war hier kaum etwas zu hören, statt dessen fetzigste Salsa, immer wieder mit einer deftigen Prise Timba gewürzt. Ein Markenzeichen der Gruppe, die ausschließlich aus Posaunen bestehende Bläsergruppe, sorgte aber auch hier für den typisch warmen Klang.

Insgesamt war dies ein wirklich mitreissender Auftritt, nachdem man froh sein konnte, noch einmal dreissig Minuten Zeit zum Luft Schnappen zu haben. Der Sportpaleis bot dazu mit seinen vielen Tribünen (und entsprechend vielen Aussichten auf das Geschehen), etlichen Möglichkeiten, Getränke, Essbares, CDs, afrikanische Trommeln, Pullover aus den Anden und vieles mehr zu kaufen einen tollen Rahmen. Der Ausblick von oben auf die riesige Halle mit Tausenden begeistert feiernden Gästen (s. Bild) war ohne Zweifel beeindruckend!

Elvis Crespo Elvis Crespo (Merengue, Puerto Rico)

Wohl kaum jemand wird in Frage stellen, dass Elvis Crespos Auftritt der absolute Höhepunkt dieses Abends werden sollte. Mit Hits wie "Suavemente" und "Pintame", millionenfach verkauften CDs und Auftritten vor ausverkauften Hallen in Nord- und Lateinamerika gehört er zur Zeit zu den größten Stars der Merengue Szene. Nun trat er zum ersten mal in Europa auf - kein Wunder, dass das Gedränge in Bühnennähe bald unangenehme Ausmasse annahm. Auf dieser Riesenbühne war in der Zwischenzeit eine beeindruckende Anzahl von Instrumenten und Mikrofonen aufgebaut worden - siebzehn Musiker sollten dem Megastar den richtigen Rahmen bieten. Sie zeigten dann auch schon bevor Elvis Crespo vor das Publikum trat die typischen Eigenschaften einer Merengue-Band in Perfektion: Wirbelnder Rhythmus, treibende Bläsersätze, knackige Breaks und natürlich Boygroup-artige Tanzeinlagen der beiden Backgroundsänger.

Elvis Crespo und Co - Tanzeinlage (zum Vergrössern anklicken)Als Elvis dann auf der Bühne erschien, wurde er mit frenetischem Kreischen empfangen - es war weder zu übersehen, noch zu überhören, dass er beim weiblichen Publikum besonders viele Fans hat. So dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Anbeterinnen die hohe Bühne erklommen hatten, um ihren Star kurz zu umarmen oder ihm ein Küsschen zu geben - was das Sicherheitspersonal nach Kräften zu verhindern versuchte. Es schien ein regelrechter Wettkampf zwischen ihnen und den weiblichen Fans zu entstehen und das Publikum bekam auch schon mal kleine Ringkämpfe zu sehen. Dieses Spiel zog sich übrigens während des gesamten Konzertes hin - die Security Leute kamen ganz schön ins schwitzen.

einer der vielen Augenblicke, in denen vor allem das weibliche Publikum tobte (zum Vergrössern anklicken)Von diesem Rummel unbeeindruckt präsentierte Elvis Crespo sich als charismatischer Entertainer mit großer Stimme und guter Bühnenshow. Er genoss es sichtlich, mit einer kleinen Hüftbewegung den Saal in einen Hexenkessel verwandeln zu können. Auch für weniger Merengue-Begeisterte war das Konzert (nicht nur wegen des oben beschriebenen Schauspiels) ein Erlebnis. Die Band zeigte sich durch und durch professionell, es gab jedoch keinerlei Solos oder Sondereinlagen. Immerhin wurden neben viel Merengue auch ein paar Balladen geboten.

Die ständig überschäumende Stimmung schwemmte jedoch jeden Gedanken an immer gleich aufgebaute Lieder und wenig musikalische Abwechslung schnell weg und riss jeden, der sich nicht mit Hand und Fuß dagegen wehrte, mit.

Da es nun schon nach 1 Uhr morgens war und die folgende Band "Grammacks" keine vergleichbaren Höhepunkte versprach, Der Sportpaleis von Antwerpen von oben gesehen (zum Vergrössern anklicken)machten wir uns auf den Heimweg. Lobenswerterweise zeigte sich erst beim Abholen der Jacken an der Garderobe der erste Engpass des Abends - ansonsten war das Festival nahezu perfekt organisiert, so wie man das auch schon von Hoogstraten her kennt. Keine Schlangen an den Bon-Kassen und Getränkeständen, reichlich Toiletten und pünktlicher Beginn der Auftritte aller Gruppen (ich nehme mal an, dass das bei Grammacks ebenso geklappt hat) - das grenzt bei den Ausmaßen dieser Veranstaltung schon an ein kleines Wunder. An dieser Stelle also ein dickes Lob an den Veranstalter!

Natürlich wurden auch dieses Jahr wieder die ersten Bands der kommenden Open Air Veranstaltung in Hoogstraten (11. und 12. August 2000) angekündigt: Manolito y su Trabuco (Kuba), Los Corraleros de Majagual, Los Soneros del Barrio und Cuco Valoy. Und Gerüchten nach steht der Veranstalter mit ganz besonderen Größen der Salsa Szene in Verhandlungen. Also dann... auf ein Wiedersehen in Hoogstraten!

Alle Konzertberichte geben persönliche Meinungen wieder.

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